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Kommentar

Braune Kohle

Protektionismus, Vetternwirtschaft und Unwahrheiten prägen die Geschichte der deutschen Stromwirtschaft

Wie die kommende Bundesregierung auch aussehen wird, umweltpolitisch wird sie sich am Kohleausstieg messen lassen müssen. Und zwar an einem Ausstieg, der diesen Namen auch verdient und sich nicht so elend lange hinzieht wie bei der Atomkraft. Was derzeit energiepolitisch passiert, gibt allerdings wenig Grund zur Hoffnung: Stromtrassen werden ausgebaut, statt dezentrale Speicher gefördert. Jene sind nur sinnvoll, um Atom- und Kohlestrom durch die Republik zu transportieren, während diese für den flächendeckenden Ausbau der Erneuerbaren unerlässlich sind, woran die Energiekonzerne allerdings wesentlich weniger verdienen würden. Da ist natürlich klar, wo die Prioritäten gesetzt werden: Die Konzernkassen müssen klingeln, auch wenn die Umwelt Asthma kriegt.

Manchmal lohnt ein Blick zurück.

Der angefügte Artikel, 1987 in der heute nicht mehr existenten Lifestyle-Zeitschrift TEMPO erschienen, hat die braunen Ursprünge der Stromkonzerne und deren Verflechtungen mit der Politik zum Thema. Mittlerweile sind es nicht mehr „acht westdeutsche Strom-Fürstentümer“, wie es im Artikel heißt, sondern nur noch vier: EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall. Am selbstherrlichen Auftreten und an der „Verfilzung“ hat sich aber nichts geändert, auch wenn die FDP als Sprachrohr der Atom- und Kohle-Lobby derzeit etwas kürzer tritt. Zumindest im Vergleich zum Jahr 2013, als die neoliberalen Konzern-Marionetten Rainer Brüderle und Philipp Rösler alles versucht haben, den erneuerbaren Energien das Wasser abzugraben. Wenn der RWE-Vorstand die Lippen spitzt, fangen FDP-Wirtschaftsminister an zu pfeifen.

Vor dreißig Jahren war das Waldsterben aufgrund des sauren Regens ein großes Thema. Heute wird der Wald schon vorher abgeholzt, um an die Braunkohle heranzukommen, wie derzeit im Hambacher Forst – ein IRRWEG mit Methode.

Hermann Sievers