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Kommentar: Fidschi-Inseln bald tiefergelegt?

Weltklimakonferenz 2017 im November in Bonn - noch passiert viel zu wenig

 Vom 6. bis 17. November 2017 findet die 23. Weltklimakonferenz in Bonn statt. Diesmal unter der Präsidentschaft der Fidschi-Inseln, die es möglicherweise bald nicht mehr geben wird, wenn weiterhin so halbherzig gegen den Klimawandel vorgegangen wird.

Trotz des pädagogischen Zeigefingers Richtung USA, liegt auch beim angeblichen Öko-Weltmeister Deutschland eine ganze Menge im Argen: Technisch ist hierzulande die Versorgung mit erneuerbaren Energien zu 100 Prozent möglich - es fehlen aber Speicherkapazitäten. Statt die zu schaffen, werden quer durch die Republik Stromtrassen gebaut, welche vor allem der Atom- und Kohleindustrie nützen. Wenn endliche Rohstoffe endlich den ihnen angemessenen Preis hätten - also inklusive der Umweltkosten -, würde derartiger Unfug nicht einmal diskutiert. Aber die fossile Lobby ist auch automobil unterwegs. Was früher "Freie Fahrt für freie Bürger" hieß, und ein Persilschein für Raser war, kommt heute als Stimme gegen Fahrverbote für Dreckschleudern daher. Gewinn geht vor Gesundheit.

Die Bundesregierung hat sich zwar schon vor Jahren das Thema Elektromobilität auf die Fahne geschrieben, aber passiert ist außer Absichtserklärungen nicht viel. Entsprechende Initiativen (siehe ZEIT-Artikel von 1994) gingen jedenfalls nicht von der Autoindustrie aus. Die schlief - und wird wieder jammern, wenn chinesische Elektroautos auf den Markt drängen. Zudem gilt: Auch Elektroautos sind Autos, müssen erst einmal produziert werden, verbrauchen Rohstoffe und Energie und verstopfen die Innenstädte. Mobilitätskonzepte jenseits vom motorisierten Individualverkehr sind also dringend notwendig. So weit ist der Chef von VW-Nutzfahrzeuge noch nicht, der von "keiner Alternative zum Diesel" und "aggressivster Abgasnorm" spricht. Guten Morgen, Herr Scholz!

Was den Klimaschutz betrifft, sollte man sich hierzulande auch nicht so weit aus dem Fenster hängen, immerhin verursacht eine deutsche Hauskatze so viel CO2 wie ein Ägypter.

Hermann Sievers