Meldung vom

Opfer und Täter

Trockenheit, Dürre und bäuerliche Existenzen

Wer vorm Verdursten ist, dem muss geholfen werden – sofort, ohne Wenn und Aber. Die deutschen Bauern sollen die geforderte Milliardenhilfe schnell erhalten. Fraglich ist jedoch, ob sich danach vor allem in der konventionellen Landwirtschaft bzw. der Agrarindustrie etwas ändern wird. Denn diese ist nicht ganz unschuldig an der derzeitigen Situation: riesige Flächen mit Monokulturen, ohne Hecken, wo der Wind ungehindert die fruchtbare Ackerkrume abtragen kann; gigantische Maschinen, die die Böden verdichten, welche wiederum weniger Wasser aufnehmen können; Einsatz von Glyphosat und wesentlich weniger Bienen und Insekten, mit den bekannten Folgen für die Artenvielfalt; Massentierhaltung, Überdüngung, Gülleseen und teils schlechte Trinkwasserqualität.

Zudem fressen unsere Rinder und Schweine den Menschen in ärmeren Ländern das wertvolle Soja weg, um hier als wässriges Billig-Fleisch in der Pfanne zusammenzuschrumpfen – von dem respektlosen Umgang mit den Tieren ganz abgesehen. Dazu kommt ein krankes Subventionssystem, das an der Fläche ausrichtet ist (wer viel hat, bekommt viel) statt an Qualität, Umweltverträglichkeit und Biodiversität.

60 Prozent der Bauern wählen CDU/CSU, und wenn die nichts an ihrer Agrarpolitik (die nicht nur in Brüssel gemacht wird) ändert, geht bei den nächsten Extremwetterlagen das Ganze von vorne los – dann vielleicht aufgrund von Starkregen. Und es wird wieder gejammert werden …

 

Hermann Sievers